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Die Bedeutung des Weihrauchs unterlag in seiner Jahrtausende langen Geschichte großen Schwankungen. Es wird vermutet, dass einer der ältesten Handelswege der Welt – die Weihrauchstraße – bereits im zehnten Jahrhundert vor Christus zum Transport des Weihrauchharzes (Olibanum) genutzt wurde. Über sie wurde das kostbare Gut zusammen mit Gewürzen und Edelsteinen aus Indien, Südostasien und Arabien ans Mittelmeer transportiert, aber auch ostwärts gelangte der besonders herausragende Weihrauch des Jemens nach Indien. Wer auch immer das begehrte Harz produzierte, mit ihm handelte, es beförderte oder einfach nur über Land an der Weihrauchstraße verfügte, konnte damit sehr wohlhabend und mächtig werden. So wurden für die Benutzung des Weges durch die unwirtlichen Wüsten Arabiens, sowie für die Versorgung mit Nahrungsmitteln, vor allem mit Wasser, hohe Wegzölle fällig. Diese Abgaben und der beschwerliche Transport über tausende von Kilometern machten das Weihrauchharz zu einer Kostbarkeit, die beispielsweise im antiken Rom mit Gold aufgewogen wurde.

Petra: Die Felsenstadt im heutigen Jordanien als ein Knotenpunkt der Weihrauchstraße mit Handelsrouten nach Indien und Südostasien, die ihren damaligen Reichtum den durchziehenden Händlerkarawanen verdankte – Quelle: wikipedia.org
Zur Blütezeit der Weihrauchstraße wurden über sie im Jahr tausende von Tonnen Harz geführt, wurde es doch in den Tempeln fast aller Kulturen der antiken Welt als besonders kostbare Opfergabe verwandt. Die ägyptischen Pharaonen bedienten sich der Räucherung als zeremoniellen Bestandteil bei Kulthandlungen wie z. B. bei der Mumifizierung gesellschaftlich hoch stehender Personen. Im Römischen Reich wurde Weihrauch über den intensiven Einsatz im religiösen Bereich hinaus auch im weltlichen Leben der herrschaftlichen Bevölkerungskreise eingesetzt – beispielsweise um den Gestank der damaligen sanitären Anlagen zu überdecken. Auch im alten Griechenland diente die Räucherung als Element der Kommunikation mit den Göttern.
Der Rückgang der Bedeutung der Weihrauchstraße war sowohl durch die Entdeckung kostengünstigerer Seewege bedingt, als auch durch den abnehmenden Stellenwert des Weihrauchs zur rituellen Räucherung. So erfolgte der Einzug des Weihrauchs in die Liturgie der christlichen Kirche nach anfänglicher Ächtung während der Christenverfolgung erst wieder unter dem römischen Kaiser Konstantin im vierten Jahrhundert n. Chr.. Auch mit der Verbreitung des Islam in den Herkunftsregionen des Weihrauchs sank der Bedarf an Olibanum. Das Harz wurde in der islamischen Welt nicht zu religiösen, sondern (nur) zu medizinischen Zwecken eingesetzt.
Die traditionelle Medizin des Orients und Indiens (Ayurvedische Medizin) verwendete Weihrauch in sehr vielfältiger Weise mit besonderem Fokus auf Entzündungen und Nervenleiden: Die Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen, Infektionen, Atemwegserkrankungen, Leberentzündungen, Hauterkrankungen, Krebs, Warzen und Schmerzen sind nur eine Auswahl der ayurvedischen Anwendungen. Auch zur Beeinflussung des psychischen Befindens („zur Stärkung des Geistes und des Verstandes“) kam der Rauch des verbrannten Harzes oder das Harz an sich zum Einsatz, was wiederum den Bogen zur sakralen Nutzung schlägt. Zur Behandlung von Hautkrankheiten und Erkältungen wird Weihrauch in der traditionellen chinesischen Medizin eingesetzt.
Von der ägyptischen Medizin der Antike ist der Einsatz zur „Wiederherstellung des seelischen Gleichgewichts“ sowie bei rheumatischen Erkrankungen bekannt. Auch in medizinischen Schriften Griechenlands wird Weihrauch als Heilmittel erwähnt (Hippokrates). Im alten Testament wird von der beruhigenden Wirkung des Weihrauchs berichtet, der z. B. zusammen mit Myrrhe in Wein angesetzt wurde.
In Europa spielte Weihrauch in der mittelalterlichen Klostermedizin eine Rolle, die auch hier wieder eng mit der religiösen Anwendung verbunden ist. Hildegard von Bingen setzt ihn bei Tinnitus und Schwerhörigkeit ein.
In der traditionellen Medizin der Neuzeit wird Weihrauch bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums, chronischen Darmerkrankungen, Husten, Heiserkeit, Ulcera, Furunkel und bei rheumatischen Erkrankungen angewandt. Im Deutschen Arzneibuch 1 (DAB 1) wird Weihrauch bereits ab 1872 mit aufgeführt. Doch die therapeutische Bedeutung ist in dieser Zeit rückgängig: Der Einsatz wird erst von der innerlichen Anwendung auf die äußerliche reduziert und schließlich verschwindet Olibanum aus dem Deutschen Arzneibuch (letzte Eintragung 1941). Dieser Bedeutungsverlust zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts resultierte aus dem allgemeinen Trend bei Arzneimitteln hin zu chemisch definierten Einzelstoffen. Erst in jüngster Vergangenheit erwachte das medizinische Interesse am Weihrauchharz wieder, besonders bezüglich seiner antientzündlichen Eigenschaften. So taucht das Weihrauchharz auch mit der Auflage 5.7 wieder im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) auf.





