Die Wirkungen

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Weihrauch wurde erst in den 80er Jahren wieder für die moderne Medizin entdeckt. Seit dieser Zeit wächst die Zahl von potentiellen Indikationsgebieten, wenn auch wahrscheinlich nicht alle der zahlreichen traditionellen Anwendungen wissenschaftlich begründbar sind. Einige Indikationen wurden durch klinische Daten untermauert, während andere weniger systematisch anhand von Erfahrungsberichten oder an anderen Lebewesen untersucht wurden.

Boswelliasäuren wirkenGrundlage einer Wirkung ist natürlich immer, dass der oder die Wirkstoffe bis zum Wirkort vordringen können. Diese Voraussetzung wird bei Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt für die Boswelliasäuren nachweislich erfüllt. Eine Aufnahme der Boswelliasäuren über die Haut erscheint ebenso plausibel, handelt es sich doch um gut fettlösliche Substanzen, die lipidhaltige Schichten, wie die Hornhaut gut überwinden können. Außerdem ist bei entzündlichen Hauterkrankungen die Hornhaut als kritische Barriere deutlich besser durchdringbar als bei gesunder Haut. Ein dritter Punkt, der für eine gute Verfügbarkeit der Weihrauchinhaltsstoffe in entzündeter Haut spricht, ist die Tatsache, dass sich saure Substanzen wie die Boswelliasäuren in entzündetem Gewebe ansammeln, da dieses einen abgesenkten pH-Wert aufweist.

Studien haben den positiven Einfluss von Boswelliasäuren oder Weihrauchextrakten bei Entzündungen (rheumatoide Arthritis, Osteoarthritis, Hirnhautentzündung, entzündliche Darmerkrankungen, Hepatitis), Schmerzen, Krebs, erhöhten Blutfettwerten und Allergien gezeigt. Davon wurden bisher in klinischen Studien am Menschen die Wirksamkeit bei rheumatoider Arthritis, Osteoarthritis, bestimmten bösartigen Tumoren, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Bronchialasthma bestätigt.

Die rheumatoide Arthritis ist eine chronische Entzündung der Gelenke, die vermutlich durch eine Autoimmunreaktion ausgelöst wird, d. h. es werden Antigene gegen körpereigene Strukturen, z. B. Proteine der Gelenke gebildet. Treffen diese Antikörper auf ihre Zielstruktur, können Abwehrmechanismen aktiviert werden. Mastzellen schütten Histamin, Prostaglandine und Leukotriene aus. Makrophagen setzen u. a. Cytokine (z. B. Interleukine) frei, wodurch Leukozyten, Monozyten und Granulozyten angelockt werden. Dieses Aufgebot an Entzündungszellen dient normalerweise dazu, fremde Strukturen, wie Bakterien zu vernichten. Eine chronische Entzündung führt allerdings neben den allgemeinen Entzündungssymptomen zu einer Zerstörung des Gewebes, was in den rheumatischen Gelenken wiederum zu mechanischer Reizung führt. In klinischen Studien führte die perorale Anwendung von Weihrauchzubereitungen bei rheumatoider Arthritis zu kontroversen Ergebnissen, wobei auch in vitro-Untersuchungen und Versuche im Tiermodell eine positive Beurteilung unterstützen.

Ebenfalls zu den Autoimmunerkrankungen gehört die Schuppenflechte (Psoriasis), bei der der Entzündungsablauf dem der rheumatoiden Arthritis gleicht, nur der Entzündungsort unterscheidet sich, da es sich um ein anderes Zielprotein des Auto-Antikörpers handelt.

Bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus crohn ist nicht erwiesen, ob es sich um Autoimmunerkrankungen handelt, oder ob eine überschießende Immunreaktion gegen die Bakterien der Darmflora für die Entzündung in der Darmschleimhaut verantwortlich ist. Klinische Studien beweisen die gute Wirksamkeit von Weihrauchpräparaten bei entzündlichen Darmerkrankungen und zeigen sogar die Gleichwertigkeit mit Standardtherapien bei geringeren Nebenwirkungen auf.

Im Falle von Asthma bronchiale können verschiedene Auslöser wie Allergene, Infektionen, Anstrengungen oder Luftverunreinigungen eine Entzündungsreaktion verursachen. Es kommt zur Schwellung der Schleimhaut, zur Verkrampfung der glatten Muskulatur und zu einer Eindickung des Bronchialschleims. Bei wiederholtem Einwirken der Auslöser, oder bei mangelhafter Erholung des Atmungsapparates kommt es zur Chronifizierung. Die Atemwegsverengung wird durch Einlagerung von Kollagen dauerhaft verfestigt, die Schleimhaut verliert zunehmend ihre Widerstandsfähigkeit. Die Studienlage bei Asthma zeigt einen signifikant positiven Einfluss von Weihrauchextrakten auf spirometrische Parameter gegenüber der Placebogruppe.

Eine gewisse Parallele zum Asthma besteht bei der atopischen Dermatitis (Neurodermitis). Auch hier liegt eine Abwehrschwäche der Haut vor, die auf ein genetisch bedingtes Fehlen von am Hautaufbau beteiligten Proteinen zurückzuführen ist. Die eingeschränkte Barrierefunktion der Haut führt zu einer gesteigerten Anfälligkeit gegenüber Bakterien oder Fremdstoffen, die die oben genannten Entzündungsprozesse auslösen.